|
Das letzte Stündlein
Einem sterbenskranken alten Bauern setzt der
Pfarrer zu, er solle sich mit seinem ihm verfeindeten Nachbarn versöhnen, da
doch nun sein letztes Stündlein nahe. Es kommt dem harten Schädel schwer an, dem Pfarrer die Erlaubnis zu geben,
dass er den Nachbarn zur Versöhnung holen darf. Und als er die Genehmigung
gegeben hat, ist er noch immer keineswegs mit der Angelegenheit fertig. Er ruft
dem Pfarrer nach: "Aber wenn ich wieder werd, dann bleibt's mit dem Mattes beim
alten!"
_________________________________________________________________________________________
Fortschritt?
Wenn meine Großmutter ihre Mutter besuchen
wollte, brauchte sie dafür drei Tage: Einen Tag fuhr sie mit Bekannten in
der Pferdekutsche hin, einen Tag blieb sie dort, erzählte und erfuhr das
Neueste, half in der Küche oder im Garten. Am dritten Tag fuhr sie heim. Wenn
meine Mutter ihre Mutter besuchen wollte, brauchte sie dafür zwei Tage: Sie fuhr
mit dem Zug. Wenn sie Glück hatte, bekam sie Anschluss. Sie erzählte und erfuhr
das Neueste, übernachtete dort und fuhr am nächsten Tag zurück. Wenn wir
zu meiner Mutter fahren, brauchen wir dafür mit dem Auto eine halbe Stunde.
Lange können wir nicht bleiben, denn die Kinder werden unruhig, und wir wollen
ja noch die neue Standuhr abholen, und außerdem müssen wir noch unbedingt
schnell die Papiere zum Steuerberater bringen. Wenn mich meine Kinder besuchen
wollen?
Verfasserin unbekannt
______________________________________________________________________________________________________________________________
Hier bei uns
Das Kind hinten im Auto schrie, weil es Durst
hatte. Ich hielt und ging in eine Wirtschaft, die so früh am Morgen noch nicht
geöffnet hatte. Doch die Frau, die mir die Tür aufmachte, war freundlich und gab
mir Milch, bot mir auch Brot an. Als ich mit dem Becher vom Auto wieder
zurück ins Haus kam und zahlen wollte, sagte sie: "Aber doch nicht dafür: Das
Kind hatte doch Durst, nicht?" Ich war beschämt, dass ich mir so eine
Antwort bei uns schon gar nicht mehr hatte vorstellen können, so eine Sache
zwischen Wildfremden. Und doch gibt es sie , überall wieder und öfters.
Ingrid Bacher
__________________________________________________________________________________________________
Wer etwas will - der findet Wege, wer etwas
nicht will - der findet Gründe
Götz Werner Götheanum 2006
________________________________________________________________________________________
Was wir brauchen sind ein paar verrückte
Leute, seht euch an, wohin uns die normalen gebracht haben.
George Shaw, irischer Nobelpreisträger
________________________________________________________________________________________
Wer nichts weiß, muss alles glauben
Marie v. Ebner Eschenbach
_____________________________________________________________________________________________________________________________
Die Freiheit des Menschen liegt
nicht darin,
dass er tun kann, was er will,
sondern dass er nicht tun muss,
was er nicht will.
Jean-Jacques Rousseau
__________________________________________________________________________________________________________
Das Höchste ,
was man erreichen kann, ist das
Gleichgewicht
zwischen Wagnis
und Verzicht.
Zenta Maurina
__________________________________________________________________________________________________________________________________________________
Unterwegs sein
Wer
im Leben stehen bleibt, hat keine Zukunft mehr.
Wer
nicht unterwegs bleibt,
sich
nicht immer wieder ändert und weiterentwickelt,
vergibt
sich selbst die Chance
auf wunderbare Entdeckungen und Aussichten,
auf
Erfahrungen, die der Lebensweg bereithält.
Dabei
ist der Weg nicht immer leicht.
Höhen
und Tiefen sorgen für Abwechslung und Mühe,
aber
auch für Aussichten auf Erfolg.
Schlimm
werden Tiefpunkte dann, wenn man nicht mehr
weiterwill,
wenn man in der Talsohle aufgibt,
anstatt
einen neuen Aufstieg zu wagen.
Wer
sich jedoch innerlich an Höhepunkten festhält
Und
sich weigert, wieder abzusteigen,
wird
letztlich das verlieren, was er gerade gewonnen hat.
Zwei
Dinge vor allem helfen dabei,
einen
Weg nicht abzubrechen, sondern unterwegs zu bleiben.
Das
eine: Ein Ziel, wohin Deine Reise gehen soll,
und
der Gedanke,
wie
es ist wenn Du am Ziel angekommen bist.
Dieses
Gedanken – Spiel ist viel mehr als ein Spiel.
Es
ist ein ungeheurer Kraftspender,
der
hilft, nicht aufzugeben
Versuche
doch, Dich in schweren,
aussichtslosen
Lebensabschnitten
in
Gedanken ans Ziel Deines Weges zu versetzen.
Das
andere: Weggefährtinnen und Weggefährten.
Bilde
Dir nicht ein, dass Du niemanden brauchst,
der
Dich in den Lebenstälern
an
die wunderbaren Aussichten von den Höhen erinnert.
Quelle: „Unterwegs zur Weihnachtsfreude“
Michael Elmenthaler, Kiefel Verlag
_______________________________________________________________________________________________
Frieden
Frieden
ist der Versuch, das Bemühen,
im
Einklang mit der Natur, den Mitmenschen
und
sich selbst zu leben.
Frieden
ist nicht das Ende aller Konflikte,
sondern
der Anfang einer neuen Art und Weise,
wie
man sie austrägt.
Marianne Amseln
______________________________________________________________________________________
Mut zur Umkehr
Mahatma Ghandhi berichtet aus seinem Leben: "Ich war fünfzehn Jahre alt,
als ich einen Diebstahl beging". Weil ich Schulden hatte, stahl ich meinem Vater
ein goldenes Armband, um die Schuld zu bezahlen. Aber ich konnte die Last meiner
Schuld nicht ertragen. Als ich vor ihm stand, brachte ich vor lauter Scham den
Mund nicht auf. Ich schrieb also mein Bekenntnis nieder. Als ich ihm den Zettel
überreichte, zitterte ich am ganzen Körper. Mein Vater las den Zettel, schloss
die Augen und dann - zerriss er ihn. " Es ist gut", sagte er noch. Und dann nahm
er mich in die Arme. Von da an hatte ich meinen Vater noch viel lieber.
________________________________________________________________________________________
Der zufriedene Fischer
Ein
Fischer sitzt am Strand und blickt auf das Meer, nachdem er die Ernte seiner
mühseligen Ausfahrt auf den Markt gebracht hat. Warum er nicht einen Kredit
aufnehme, fragt ihn ein Tourist. Dann könne er einen Motor kaufen und das
Doppelte fangen. Das brächte Geld für einen zweiten Mann ein. Zweimal täglich
auf den Fang hieße das Vierfache verdienen. Warum er eigentlich
herumtrödle? Auch ein dritter Kutter wäre zu beschaffen; das Meer
könnte viel besser ausgenützt werden. Ein Stand auf dem Markt, Angestellte,
ein Fischrestaurant, eine Konservenfabrik - dem Touristen leuchteten die Augen -
" Und dann ?" unterbricht ihn der Fischer. "Dann brauchen Sie
nichts mehr zu tun. Dann können sie den ganzen Tag sitzen und glücklich auf
ihr Meer hinaus blicken!" - "Aber das tue ich doch jetzt schon",
sagt der Fischer.
Heinrich Böll
|