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Bild: Schmidke
Eine Hausapotheke aus
Kräutern
Von Karin Schmidke
Aber auch Thymian, Dost, ganz wichtig
Schafgarbe und Johanniskraut, Rainfarn, Minze, Goldrute und Engelwurz
gehören in die Kräuterbüschel<<, erklärt die Kräuterpädagogin Annerose
Schmider den Landfrauen. Währenddessen sucht sie Beifuß und bindet ihn
mit in den Kräuterbüschel, der am Sonntag zu Maria Himmelfahrt geweiht
wird. Die >>Fette Henne<< darf in keinem Büschel fehlen, denn sie
schützt das Haus vor Donner, schmunzelt Schmider und so wandert auch
diese Pflanze in den Strauß. Frauenmantel und Zinnkraut sind ohnehin
Pflanzen für Frauen, wichtig sind Borretsch und natürlich die Kamille,
die in diesem Jahr nicht so recht wachsen will. Die Heilkraft der
Kräuter, zu Büschel gebunden, ist ein alter archaischer Brauch und soll
ein Ausdruck für die Achtung vor der Schöpfung und die Zuwendung Gottes
an den Mensch sein. Maria und Kräuter, dieser Zusammenhang begründe sich
in zahlreichen Legenden aus der Frühzeit der Kirche. Immerhin wird Maria
auch die >>Königin der Blumen<< genannt oder auch die >>Lilie des
Feldes<<, >>Beschützerin der Feldfrüchte<<, >>Kornmutter<< und die
>>Traubenmadonna<<. Dass Sammeln von Kräutern sei seit jeher
Frauenarbeit gewesen, erklärt die zierliche Annerose Schmider, deren
Vorname schon in Verbindung mit Blumen steht. Maria Himmelfahrt ist in
der wichtigsten Kräutersammelzeit und das sei kein Zufall. Der Anleitung
nach müssen mindestens sieben Kräuter und Gartenblumen in den Strauß.
Man kennt aber auch Büschel mit neun Kräutern, mit zwölf, 15, 19 und
dann mit 66, 72, 77 oder wieder mit 99 verschiedenen Kräutern. Woher
diese Zahlen stammen, weiß man nicht so genau, doch allesamt seien es
magische Zahlen. Doch so wichtig nahmen es die Landfrauen
Schenkenzell-Kaltbrunn beim Büschelbinden nicht mit den Zahlen. >>Beim
Binden verliert man schnell den Überblick, weil man doch schnell ein
anderes Kraut findet und eine weitere Heilpflanze einbinden möchte und
plötzlich hat man mehr<<, erklärt Schmider lachend. Die Büschel kamen in
Vasen und wurden bis zum Gottesdienst am Sonntag kühl aufbewahrt. Dort
erhielten die Pflanzen den Segen Gottes. Jetzt hängen die Kräuter
kopfüber zum Trocknen von den Decken. Ab sofort sind die Büschel
Hausapotheken. Denn erkältet sich jemand im Winter, so kann Salbei und
Königskerze aus den Büscheln gezupft werden. Und da in keinem Strauß die
Fette Henne fehlt, kann der Blitz auch nicht ins Haus einschlagen.
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